Aufgaben & Ziele

Das Einfrieren und Lagern von Zellsuspensionen und kleinsten Gewebeteilen bei Temperaturen unter –130°C ist gegenwärtig die einzige Möglichkeit biologisches Material über Jahre bis zu Jahrzehnten ohne Einbuße der Lebensfähigkeit aufzubewahren.

Die Biowissenschaften, die Medizin und die aufstrebende Biotechnologie benötigen die Depothaltung, Verfügbarkeit und den Versand von Lebendproben zu beliebigen Zeitpunkten und an nahezu jeden Ort. Das Fraunhofer-IBMT in Partnerschaft mit der Landesregierung des Saarlandes über das Ministerium für Wirtschaft sowie das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft hat diese interdisziplinäre Forschungs- und Technologieaufgabe früher als andere erkannt und bereits im Jahr 2002 eine gemeinsame Initiative zur Entwicklung der Kryobiotechnologie gestartet. Die 2003 fertiggestellte Kryobank ist ein Teil dieser Initiative und so dimensioniert, dass sie den modernsten Anforderungen der Lebendlagerung von Zellproben gerecht wird, wie sie von der zukünftigen Biotechnologie und Medizin, aber auch von der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gefordert werden. Die zentraleuropäische Lage im Saarland macht die Forschungsbank zu einem Attraktor und Partner über die Landesgrenzen hinaus.

Aufgabe der Kryoforschungs- und Demonstrationsbank ist es, wertvolle und einzigartige Zellsammlungen (Bioressourcen) aus den verschiedensten Bereichen der Biowissenschaften anzulegen sowie die Demonstration der am IBMT entwickelten Kryotechnologie-Plattform.

Die Lebendablage von Zellsuspensionen erlaubt eine Vermehrung zu jedem späteren Zeitpunkt, insbesondere aber retrospektive Untersuchung von Proben. D.h. auch nach Jahrzehnten kann nach Genen, Makromolekülen, Krankheiten, Erregern, Verunreinigungen und mehr gesucht werden, für die heute noch nicht einmal die Methoden oder die Kenntnis existieren. Die Anlage einer Zellbank ist somit die umfangreichste, man kann sagen, vollständige Dokumentation der Eigenschaften einer Bioprobe. Auf mehr als 1200 Quadratmetern sind Kryolagertanks mit einem Nettovolumen von jeweils bis zu 1400 Litern installiert. Die Kryobankanlage trägt den Charakter einer Demonstrationsbank für neue Technologien, insbesondere für industrielle Nutzer. Das Besondere und Kernstück dieser Kryotchnologie sind neue Substrate zur Ablage der Bioproben. Mit Hilfe dieser Lagersubstrate wird die Anzahl der möglichen Kryoproben in einem ersten Miniaturisierungsschritt bereits um den Faktor 10 bis 100 erhöht. Dies ist möglich, da derzeit wesentlich mehr Material abgelagert wird als eigentlich für Analysen und Rekultivierung erforderlich sind.

Interessenten für Lagerung von Proben für therapeutische oder diagnostische Zwecke in der Fraunhofer-Kryobank wenden sich bitte an die BioKryo GmbH. Die BioKryo ist ein Spin-Off des Fraunhofer-IBMT, in der die Lageraktivitäten zusammengefasst wurden. Weitere Informationen finden Sie unter www.biokryo.de www.biokryo.de.

Abb: Vergleich der herkömmlichen Technologie mit der ersten Miniaturisierungsstufe eines der neuen Fraunhofer-Kryosubstrate. Kernelemente des Konzeptes sind die Miniaturisierung und eine hochparallele Probenablage. Kleiner, kompakter und sicherer sind die Proben im Wellformat mit integriertem elektronischen Memory-Chip.